Reisen in Zeiten von Klimawandel und Naturkatastrophen?
Für die viele Österreicher:innen ist Reisen eine Lebenseinstellung. Wochenendausflüge in Nachbarländer, Skireisen in die Alpen und Fernreisen gehören zur Normalität. Besonders durch die Verbreitung von Billigfluglinien wurde das Reisen für alle erschwinglicher. Doch mit dem fortschreitenden Klimawandel stellt sich die Frage: Wird diese Reiselust Bestand haben?
In unserem Prosumer Report zum Thema „Reisen“ befragte über 14.000 Teilnehmer in 32 globalen Märkten. Prosumer sind Konsument:innen, die neue Erfahrungen suchen und Trends beeinflussen. Ihre Entscheidungen haben Auswirkungen auf das Verhalten des Mainstream. Was Prosumers heute tun, wird der Mainstream in sechs bis acht Monaten wahrscheinlich nachahmen.
Die Umfrageergebnisse waren eindeutig: Alarmierende Prognosen und schmelzende Eiskappen allein werden nicht ausreichen, um das Reiseverhalten zu verändern – zumindest nicht bei den Prosumern. In diesem Beitrag werfen wir einen Blick darauf, wie (oder ob) der Klimawandel die Art und Weise beeinflusst, wie Österreicher:innen reisen.
Fliegen trotz Konsequenzen?
Im Jahr 2024 verzeichnete der Flughafen Wien mit 31.719.836 Passagieren einen neuen Rekord – und die Zahlen steigen weiter, auch auf Grund von „Post-Covid-Revenge-Trips6“.
Um die Umweltbelastung des Flugverkehrs greifbarer zu machen: Die CO₂-Emissionen eines einzelnen Hin- und Rückflugs von Wien nach Berlin entsprechen dem Heizenergieverbrauch eines österreichischen Haushalts für einen ganzen Monat – etwa 300 kg CO₂4.
Trotz ökologischer Bedenken betrachten alle befragten Prosumer und nahezu alle Mainstream-Konsument:innen in Österreich das Reisen als wichtigen Bestandteil ihres Lebens.

Die Welt sehen oder die Welt retten?
Obwohl die überwiegende Mehrheit der Österreicher:innen weiterhin viel Wert auf Reisen legt, glaubt fast ein Drittel, dass ein Verbot des Flugverkehrs irgendwann notwendig sein könnte. Derzeit stehen wir an einem Wendepunkt, an dem viele bereit sind, Kompromisse einzugehen, um die Welt weiter zu erkunden.
Doch was passiert, wenn künftige Generationen die Konsequenzen des Klimawandels zu spüren bekommen? Werden sie genauso reiselustig sein?
Das ist schwer zu sagen, aber eine sofortige Verhaltensänderung scheint unwahrscheinlich. Zwar ist sich die Generation Z der langfristigen Folgen des Klimawandels bewusster, doch 36 % von ihnen sind dennoch bereit, große Opfer zu bringen, um weiterhin zu reisen. Die Diskrepanz zwischen Bewusstsein und tatsächlichem Verhalten lässt die Frage offen, wie viel Wandel diese Generation tatsächlich anstrebt.

Warum wir unsere Koffer packen
Sowohl der Mainstream als auch Prosumer wollen sich erholen und entspannen – doch Prosumer sind noch stärker von Abenteuerlust getrieben. Für sie ist Reisen eine Möglichkeit, neue Erfahrungen zu sammeln und persönlich zu wachsen. Sie suchen gezielt nach Zielen, die sie herausfordern und inspirieren.

Social Media und die Realität
Für die meisten Menschen bedeutet Reisen Entdeckung – doch im Zeitalter der sozialen Medien scheint es, als würden alle dieselben Reiseziele ansteuern. Plattformen wie Instagram und TikTok haben versteckte Orte in virale Hotspots verwandelt, wodurch es immer schwieriger wird, unberührte Reiseziele zu finden. Tatsächlich sind 60 % der Gen-Z-Reisenden der Meinung, dass soziale Medien die Magie des Reisens genommen haben.

The Blame Game
Ein Drittel der Österreicher:innen gibt zu, sich wegen ihrer Reisen schuldig zu fühlen – dennoch wird die Verantwortung oft weitergegeben, sei es an die Superreichen oder die Fluggesellschaften. Ein Beispiel: Taylor Swifts Privatjet stieß 2022 über 8.000 Tonnen CO₂ aus, während ein durchschnittliche Person in Österreich – inklusive Heizen und Autofahren3,5 – nur rund 8 Tonnen pro Jahr verursacht. Schlagzeilen wie diese lassen individuelle Bemühungen zur Emissionsreduzierung unbedeutend erscheinen.
Der Kontext ist entscheidend: Weltweit produziert der kommerzielle Flugverkehr rund 600 Millionen Tonnen CO₂ pro Jahr – ein Beweis dafür, dass die Verantwortung nicht nur bei einigen prominenten Vielfliegern liegt2. In Österreich glauben 19 % der Befragten, dass vor allem Reise- und Fluggesellschaften in der Pflicht sind, Veränderungen herbeizuführen. Doch wer hat letztendlich die Macht, die Luftfahrt nachhaltiger zu gestalten?

Der Schlüssel zu nachhaltigem Reisen
Viele Österreicher:innen fordern nachhaltigere Reiseoptionen. Auch wenn einige nie ganz auf das Reisen verzichten werden, besteht Potenzial für einen Wandel hin zu umweltfreundlicheren Alternativen.
Unternehmen wie Airbus investieren bereits massiv in wasserstoffbetriebene Flugzeuge, die anstelle von CO₂ lediglich Wasserdampf ausstoßen1. Diese Technologie könnte der Schlüssel zu nachhaltigerem Fliegen sein. Zwar dürften solche Optionen zunächst teurer sein, doch 19 % der Österreicher:innen wären bereit, mehr für nachhaltige Reisealternativen zu bezahlen. Mit der Weiterentwicklung der Technologie könnte jedoch auch der Preis sinken.
Die Herausforderung besteht darin, mit Billigfluglinien zu konkurrieren, deren günstige Tarife nachhaltige Alternativen schwer rechtfertigbar machen. Ryanair-Flüge sind oft deutlich billiger und schneller als Zugverbindungen – selbst für umweltbewusste Reisende eine schwierige Entscheidung.

Was wäre, wenn wir die Welt erkunden könnten, ohne unsere Heimat zu verlassen? 36% der Österreicher:innen glauben, dass technologische Entwicklungen in Zukunft virtuelles Reisen ermöglichen könnten. Ob das jedoch jemals das echte Reiseerlebnis ersetzen kann, bleibt abzuwarten – Visionäre wie Mark Zuckerberg könnten hier die Antwort finden.

Reise oder nicht Reise
Auf dem Weg in eine nachhaltigere Zukunft verändert sich auch das Reisen. Der menschliche Drang nach Abenteuer wird wohl immer bestehen bleiben, doch unsere Entscheidungen werden darüber bestimmen, welchen Fußabdruck wir hinterlassen – und wie zukünftige Generationen die Welt erleben werden.
English Version: Can We Keep Chasing Horizons in a Changing World?
Quellen:
- Airbus. (n.d.). ZEROe – Towards the world’s first zero-emission commercial aircraft. Retrieved February 25, 2025, from https://www.airbus.com/en/innovation/energy-transition/hydrogen/zeroe
- European Commission. (2023). Austria: 2023 Climate Action Progress Report. European Climate and Energy Policy. Retrieved from https://climate.ec.europa.eu/document/ download/114b5f0f-8bb6-4100-86a2-4f4d674c6c1f_en? filename=at_2023_factsheet_en.pdf
- Faecks, B. (2024, February 13). Taylor Swift and the top polluters department. Carbon Market Watch. https://carbonmarketwatch.org/2024/02/13/taylor- swift-and-the-top-polluters-department/
- myclimate. (n.d.). CO2 emissions from heating. Myclimate. https://co2.myclimate.org/en/portfolios?calculation_id=7788762
- Umweltbundesamt. (2021). National inventory report 2021: Greenhouse gas emissions in Austria. Austrian Environment Agency. https://www.umweltbundesamt.at/fileadmin/site/publikationen/rep0852.pdf
- Vienna International Airport. (2024). Passenger traffic outlook 2025. Vienna International Airport. https://www.viennaairport.com/jart/prj3/va/uploads/data- uploads/IR/2025/PAX_24_Outlook_25_EN.pdf